Ganz zart und romantisch beginnt das Debütalbum von Alma Naidu. Die ersten Klänge von „Just A Word“ – ihre Stimme, ein paar Klavierakkorde. Was für ein Boss-Move: Ich hab es nicht nötig, hier mit einem Knall anzufangen, auch wenn es mein Debütalbum ist. Das geht hier ganz leise los, lass Dich drauf ein, komm mal runter.

„Das habe ich das erste Mal in der Band von Wolfgang (Haffner) erfahren, wie das ist mit einer Ballade anzufangen.“, erzählt mir Alma Naidu im Zoom-Interview. „Ich sehe das ein bisschen so, als würde einem Zeit geschenkt werden.“

Ich selber brauche ein bisschen, mich auf die Ruhe einzulassen, aber es ist ein schöner Tag, ich mache einen Spaziergang, strecke mein Gesicht in die Sonne und kann fühlen, wie ich mich entspanne und einfach nur lausche. Und ja, diese Zeit bekomme ich geschenkt. Einmal nicht aufs Handy schauen, überlegen, was als Nächstes gemacht werden muss.

Beim vierten Song horche ich überrascht auf. Erstens ist es ein Cover – das Einzige auf dem Album – und dann auch noch von einem meiner absoluten Lieblingslieder: „And So It Goes“ von Billy Joel. Wobei Alma „And So It Goes“ bereits als Coverversion kennengelernt hat …

„An den habe ich frühe Kindheitserinnerungen. Allerdings nicht an den Originalsong, sondern an die Version der King’s Singers. Wir hatten im Auto ne CD von denen und daher kannte ich das. Ich hab das Lied dann jahrelang nicht mehr gehört und wusste auch gar nicht genau, was das für ein Song ist und dann irgendwann mal das Original angehört. Das ist ja eigentlich ein simpler Song von den Akkorden, hat aber was ganz Sakrales. Und Simon (Oslender) bei dem Stück am Klavier ist halt einfach phänomenal. Er lässt weg, was nicht sein muss.“

Diese Philosophie des Weglassens finde ich auch bei Almas Gesang sehr wohltuend. Als ich sie später frage, was sie von ihrem Mentor, dem Schlagzeuger Wolfgang Haffner, gelernt hat, kommen wir noch mal auf dieses Thema:

„Einiges … ich war ja vorher schon in seiner Band und konnte mir dort sehr viel abschauen. Und das, was ich mir eh schon selber gedacht habe, hat sich dann bestätigt. Eben dieses Weglassen, das Ego zurückzustellen. Sich nicht zu profilieren, sondern die Musik an erster Stelle zu haben. Das vertritt er ganz stark. Und auch das Miteinander, die Atmosphäre in der Band, die er kreiert. Die Musik kann eben nur gut werden, wenn sich jeder wohl fühlt und man gut miteinander schwingt.“

Wolfgang Haffner, Alma Naidu, Claus Fischer und Simon Oslender (Foto © Lena Semmelroggen)

 

Alma Naidu hat Jazzgesang an der Musikhochschule in München studiert und war im Anschluss ein Jahr auf der Royal Academy of Music in London. Ihr Musikgeschmack ist breit gefächert: Neben Jazz mag sie Musical, klassische Musik und Pop, besonders wenn er etwas komplexer daherkommt, wie bei Sting. Dessen Sound höre ich ziemlich deutlich beim Track „Hold On To Me” raus.

„Tatsächlich ist es mein Lieblingssong auf dem Album, deswegen freut mich auch, dass Du Sting darin erkennst, weil ich wirklich großer Fan von ihm bin.“

Die musikalische Vielfalt, die Alma Naidu als Hörerin schätzt, spiegelt sie auf „Alma“ auch als Songwriterin: Da finden sich neben Jazztunes Kompositionen, die an den Soul der späten 90er erinnern oder mit „Walberla“ ein klassisch anmutendes Stück.

„Ich bin mit einem klassischen Background aufgewachsen. Meine Mama ist Opernsängerin, mein Papa Dirigent und ich hatte jahrelang klassischen Klavierunterricht. Das ist was sehr Natürliches für mich. Deswegen ging es auch bei ‚Walberla‘ recht schnell das zu schreiben. Da fühle ich mich richtig zu Hause.“

Als ich sie am Ende des Interviews frage, ob sie lieber als Songwriterin oder als Sängerin berühmt werden möchte, sagt sie: „Eigentlich als Musikerin.“

„Alma“ von Alma Naidu – ein wunderbares Debütalbum von einer Musikerin, die schon viel verstanden hat und doch erst am Anfang ihrer Karriere steht. Ich bin sehr gespannt, wie es weitergeht.

Neugierig geworden? Hier könnt ihr direkt reinhören: https://orcd.co/almanaidu